Jeden vierten Samstag im November ehren Ukrainer:innen die Opfer des Holodomor, der menschengemachten Hungersnot von 1932 und 1933. Die Gedenkfeier 2025 am 22. November erinnert an die Millionen Toten und daran, wie die Tragödie bis heute das ukrainische Selbstverständnis und den nationalen Zusammenhalt prägt.
Wie die Katastrophe entstand
Der Holodomor ereignete sich während Joseph Stalins Bestreben, die Landwirtschaft vollständig unter staatliche Kontrolle zu bringen. Die Ukraine, die größte Getreideproduktionsrepublik der Sowjetunion, stand vor besonders harten Ablieferungsforderungen. Archivdokumente und Zeitzeugenberichte schildern Quoten weit über die örtliche Leistungsfähigkeit hinaus, systematische Beschlagnahmungen von Lebensmitteln und Reisebeschränkungen für Menschen aus hungernden Regionen. Diese Maßnahmen schufen Hungerbedingungen, die ländliche Gemeinschaften verwüsteten.
Die Ukraine stuft den Holodomor als Völkermord ein – eine Sicht, die mehrere nationale Parlamente sowie das Europäische Parlament teilen. Historische Forschungen belegen durchgehend, dass die Hungersnot menschengemacht war und dass ukrainische Landgebiete aufgrund der strafenden Kollektivierungsmaßnahmen überproportional litten. Über die genaue Absicht der damaligen Führung wird weiter diskutiert, doch das Ausmaß der Zerstörung durch diese Politik steht außer Frage.
Die sowjetische Regierung blockierte zudem den Informationsfluss. Ausländischen Journalist:innen wurde die Reise in die betroffenen Gebiete verwehrt, interne Berichte wurden geheim gehalten, und Bürger:innen, die versuchten, die Krise zu dokumentieren, wurden bestraft. Diese Zensur verzögerte die weltweite Wahrnehmung und prägte jahrzehntelang das Bild der Tragödie.
Wie die Echos bis heute nachklingen
Der Holodomor-Gedenktag erhält neue Bedeutung, da die Ukraine weiterhin Konflikten sowie Druck auf ihr Land und ihre Infrastruktur ausgesetzt ist. Die Hungersnot hinterließ demografische und kulturelle Narben, die noch heute beeinflussen, wie Ukrainer:innen über Souveränität, Ernährungssicherheit und den Schutz ländlicher Räume denken. Sie dient als Bezugspunkt, um die Wichtigkeit stabiler Ernten, verlässlicher Handelswege und unabhängiger Institutionen zu verstehen.
Gemeinschaften in der Ukraine und weltweit begehen den Tag mit Gedenkgottesdiensten, Kerzenaktionen, Ausstellungen und Bildungsformaten. Diese Aktivitäten halten die Geschichte präsent und fördern ein breiteres Verständnis für die Folgen der Hungersnot. Indem sie die Erinnerung bewahren, tragen sie dazu bei, dass die Lehren aus dieser Zeit Teil von Ukrainens Bemühungen bleiben, die eigene Zukunft zu sichern.