Die meisten kennen die Geschichte der Titanic, doch nur wenige haben von der Cap Arcona gehört – Deutschlands einstigem Luxusdampfer, der sich in ein schwimmendes Gefängnis verwandelte.
Einst ein Kreuzfahrtschiff für Vermögende, war es mit KZ-Häftlingen überfüllt und lag in der Lübecker Bucht vor Anker, als ein Luftangriff nur wenige Stunden vor der Befreiung fast alle an Bord tötete.
In einem erschütternden und selten erzählten Kapitel des Zweiten Weltkriegs bombardierte die britische Royal Air Force das Schiff am 3. Mai 1945 und tötete über 7.000 Häftlinge, die eigentlich evakuiert werden sollten.
Eine verdrängte Ostseetragödie
Das tragische Ereignis, das sich in diesem Jahr zum 80. Mal jährt, prägt Überlebende wie George Schwab, Manfred Goldberg und ihre Familien bis heute.
George Schwab, damals noch ein Teenager, sollte das Schiff besteigen, konnte sich jedoch entziehen. Auch Manfred Goldberg und seine Mutter sollten an Bord gehen, überlebten aber, weil ihr Lastkahn auf Grund lief.
Beide haben ihr Leben darauf verwendet, ihre Erfahrungen zu teilen und dafür zu sorgen, dass die Erinnerung an den Holocaust und diese spezielle Tragödie lebendig bleibt und nicht im Lauf der Zeit verblasst.
Die Katastrophe gilt als eine der größten Massentötungen in der Ostsee während des gesamten Zweiten Weltkriegs.
Dennoch hat dieses Kriegsdrama, bei dem mehr als 7.000 KZ-Häftlinge starben, nie die gleiche Aufmerksamkeit erhalten wie andere gut dokumentierte Gräueltaten des Holocaust.
Historikerinnen und Historiker ebenso wie Zeitzeugen setzen sich weiter dafür ein, dass dieses Kapitel der Geschichte stärker ins öffentliche Bewusstsein rückt und besser verstanden wird.
Erinnerungsorte des Holocaust
In der Lübecker Bucht wurde der Ort des Angriffs zu einer Gedenkstätte umgestaltet, an der sich jedes Jahr Überlebende und ihre Angehörigen versammeln, um der Opfer zu gedenken und ihre Namen wachzuhalten.
Zum Jahrestag des Kriegsendes erinnert die Geschichte der Cap Arcona eindringlich an die unvorstellbaren Gräuel des Krieges – und an die Unbeugsamkeit des menschlichen Geistes.